Angekommen - oder: Wertschätzung
Tranemo ist die „Kulturkommune Schwedens 2025“. In diesem Zuge wurde die Verleihung des Kulturpreises und weiterer Vereinsauszeichnungen in Form einer Gala ausgerichtet. Den ersten Kulturpreis bekam Franz. Es haben sehr viele Leute für ihn gestimmt, was uns sehr dankbar und glücklich macht.
Nach knappen vier Jahren vor Ort so eine Wertschätzung zu bekommen, rührt uns sehr. Wir sind wirklich „angekommen“, angenommen und aufgenommen. Es wird gesehen, wie viel Mühe Franz sich gibt und wie vielseitig und kreativ er seine Arbeit macht. Hier die Erklärung zu dem Preis:
"Franz hat durch seine musikalische Leitung und durch sein Engagement das Musikleben in Tranemo weiterentwickelt und gestärkt. Er hat Chorsänger und Musiker bereichert, mehr Einwohner in die Chöre gelockt und sehr hochgeschätzte Konzerte in Zusammenarbeit mit der Kulturschule und anderen kulturellen Akteuren arrangiert.
Als treibende Kraft im Ceciliachor wagt er es, auf Großes zu setzen und viele in ambitiösen Musikprojekten zu inkludieren. Seine Arbeit hat die Kirche zu einer lebendigen und offenen Kulturarena für die ganze Kommune gemacht."
Ein kleiner Schmunzler war außerdem, dass das Bild auf dem Preis in dem Kunstkurs entstanden ist, den Emma mitgemacht hat. Emma hat also auch irgendwie beigetragen.
Hier sind noch ein paar bildliche Eindrücke von Franz‘ Arbeit aus dem letzten Jahr:
Dieses Jahr ist das Weihnachtskonzert komplett aus eigenen Kräften entstanden, es wurde niemand extern dazugebucht. Es waren über 100 Mitwirkende und sehr viele Besucher bei den zwei Konzerten. Franz hat das berühmte Weihnachtslied gesungen, was nie fehlen darf:
Doch die Wertschätzung endet nicht hier. Franz musste einige Kurse besuchen, um seinen Masterabschluss validiert zu bekommen. Das ist Standard in der schwedischen Kirche. Nachdem er fertig war, gab es eine Messe und ein Abendessen mit der Bischöfin in Göteborg. Zur Messe kamen Kollegen, Freunde und Gemeindemitglieder aus Tranemo.
Wir werden fünf!
Ein weiterer Grund zur Freude ist, dass wir bald nicht mehr vier, sondern fünf sind. Ich bin schwanger und das Baby ist für den 27. April berechnet.
Leider geht es mir in der jetzigen Schwangerschaft noch schlechter als in den vorigen. Ich brauche also alle guten Gedanken für den Rest der Zeit. Positiv ist auf jeden Fall, dass unsere Voraussetzungen dieses Mal viel ruhiger sind als bei Dorle. Wir stellen gerade nicht unser Leben auf dem Kopf mit einer Auswanderung und einem Umzug. Das ist sehr beruhigend. Alles ist vorbereitet.
Die Kinder nehmen sehr Anteil an der Schwangerschaft, sie freuen sich schon auf das neue Geschwisterchen.
In Schweden wird viel weniger untersucht als in Deutschland. Es gibt nur zwei Ultraschalluntersuchungen. Im Normalfall trifft man nur eine Hebamme und einen Gynäkologen nur in einem speziellen Fall, wie etwa bei mir wegen der extremen Übelkeit. Der „normale“ Arzt ist für das Wohlbefinden der Schwangeren zuständig und die Hebamme für alles, was mit dem Baby zu tun hat. Ein CTG wird nur bei der Geburt selbst gemacht, ansonsten hört die Hebamme die Herztöne mit einem kleinen Gerät ab. Ich finde es deutlich angenehmer und fühle mich trotzdem sicher und gut aufgehoben.
Ich bin seit einem Monat krankgeschrieben und das jetzt auch bis zum Ende der Schwangerschaft. Das ist sehr gut so, weil die Arbeit mit 13- bis 16-Jährigen schon sehr hart sein kann (Schlägereien, Lautstärke, etc.).
Wir lassen uns wieder überraschen, was das Geschlecht angeht. Obwohl wir diesmal viel neugieriger waren.
3 Kinder sind nicht 2 und so musste auch ein neues Auto her. Drei Kindersitze passen leider in keinen Kombi. Wir waren überrascht, wie wenig Auswahl es auf dem Markt gibt. SUVs gibt es ohne Ende, da ist aber weniger Platz drin als in unserem Ford. Ein richtiger Bus hätte unser Budget überschritten. Nun sind wir sehr zufrieden mit unserem VW Sharan, nach langer Suche.
Alltag der Kinder
Emma reitet noch leidenschaftlich. Das macht ihr große Freude. In den strengen Winterumständen muss man da mit guter Kleidung arbeiten, damit sie draußen nicht zu sehr friert.
Dorle hat mit dem Turnen begonnen. In Tranemo gibt es einen sehr guten Verein. Sie machen eine Mischung aus Spielen und wirklich herausfordernden Übungen in Stationen.
Dorle und Emma sind überhaupt ein super Team. Sie spielen viel zusammen und lernen voneinander. Und wachsen gefühlt jeden Tag.
Der Winter
Am 2. Advent waren wir bei der Verabschiedung meines Vaters in Herford. Es war eine sehr rührende und schöne Veranstaltung. Auch wenn ein Kurztrip für ein längeres Wochenende sehr stressig ist, sind wir dennoch froh, dass wir es gemacht haben.
Dieses Jahr haben wir uns dafür entschieden, über Weihnachten in Schweden zu bleiben. Sonst waren wir immer in Deutschland und so waren auch die Weihnachtstage immer mit Aufbruch verbunden. Nun waren meine Eltern zu Besuch und wir haben eine sehr schöne und entspannte Zeit bei uns verbracht.
Schließlich kam auch ein richtiger Wintereinbruch mit einer Menge Schnee und sehr kalten Temperaturen von bis zu -20 Grad. Der See vor unserer Haustür war zugefroren und Franz war viel mit den Mädchen Schlittschuh laufen. Einmal haben sie sogar auf dem See gegrillt. Was für ein Abenteuer. Ich war natürlich immer nervös, aber das Eis ist enorm dick. Das haben wir beim Nachbarn dann auch sehen können, als er eine Bohrung zum Eisfischen gemacht hat. Es ist immer noch Eis auf dem See, obwohl es mittlerweile nicht mehr so kalt ist, aber wir gehen nicht mehr drauf. Unser Nachbar schon.
Die ruhige Zeit mit der Familie war sehr schön.
Der Schnee ist jetzt größtenteils getaut und wir haben nach zwei Monaten den Boden auch wieder gesehen. Jetzt sehnen wir uns langsam nach dem Frühling. Bei den ersten positiven Temperaturen sind die Mädchen schon im Garten herumgeflitzt, das wird wieder schön.
Der Herbst
Im Herbst war Lotte zu Besuch. Es ist toll, dass sie sich auf diese doch sehr große Reise macht und auch ihren Sohn besucht. So fit möchte ich auch mal sein. Auf dem Foto sieht man, wie sie sich kurzerhand mit Franz ans Klavier setzt und vierhändig spielt.
Der Sommer
Im Sommer hatten wir viel Besuch, sind Dressine gefahren, haben unsere Seen genossen und die freie Zeit.
Wir waren auch in Deutschland und haben Marita mitgenommen. Das war ein schönes Erlebnis, ihr vieles zeigen zu können.
Außerdem haben wir noch eine Woche Urlaub an der Ostküste gemacht, in Västervik.









Ich war im Sommer für fünf Tage mit meiner Freundin Mariana in Amerika, genauer gesagt in San Diego. Meine Fitnesstrainerin hat eine Veranstaltung gehabt und aus einer wilden Idee entstand dann diese Reise. Es war eine super Erfahrung und wir haben viel gesehen und erlebt. Ein Highlight war das Fitnessstudio, in dem auch Arnold Schwarzenegger und viele andere große Namen des Bodybuildings trainieren.
Das Ende des Sommers bedeutete: Die Schule geht los! Wir haben in Deutschland einen Tornister und eine Schultüte für Emma gekauft. In Schweden ist es völlig unüblich, eine Einschulung zu feiern, also haben wir es kurzerhand selbst gemacht und ein bisschen deutsche Tradition bewahrt. Die Sachen, die Emma bekommen hat, darf sie allerdings gar nicht in die Schule mitnehmen. Alles Material wird gestellt, Stifte und so weiter. Das liegt am Gleichheitsprinzip, das in Schweden gilt, das besagt, dass alle die gleichen Voraussetzungen und Chancen haben sollen. Dafür nutzt sie sie zu Hause.
Die Schule ist sehr aufregend für Emma. Sie hat viele ihrer Freunde aus Ambjörnarp mit in ihrer Klasse und anfangs war sogar immer eine Erzieherin aus dem Kindergarten mit dabei, um den Übergang zu erleichtern. Ansonsten unterscheidet sich die Schule sehr, weil Emma in eine so genannte „Vorschulklasse“ geht. Es wird noch sehr viel gespielt und erst langsam an den Schulalltag gewöhnt. Danach folgt erst die erste Klasse. Man merkt schon, dass Emma gerne mehr „Futter“ hätte, aber es ist trotzdem gut, den Platz zu finden und mit der neuen Umgebung zurecht zu kommen.
Die Vorschulklasse ist von Montag bis Donnerstag von 8:05 bis 13:05, die Kinder werden mit einem Bus der Kommune nach Tranemo gefahren und anschließend entweder abgeholt oder sie gehen im Kindergarten in die „Fritids“-Gruppe, also „Freizeit“, quasi wie ein Hort. Auch freitags sind sie dort.
Ebenfalls anders ist das Alter der Kinder. Hier wird nach Kalenderjahr gegangen, d.h. alle, die 2019 geboren wurden, gehen jetzt in die Vorschulklasse. Für Dorle, die im November geboren ist, bedeutet das, dass sie eine der Jüngsten in ihrer Klasse sein wird. Es erspart aber die Diskussionen und Überlegungen von „kann“ und „muss“ eingeschult werden.
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